
Ortsumgehung Sulzbach Projektakzeptanz
Ortsumgehung Sulzbach am Main - Verlegung der St 2309 in das Mainvorland Vorgestellte Entwurfsplanung und 7. Ausbauplan für Staatsstraßen in Bayern
Sehr geehrter Herr Staatsminister Bernreiter,
in Bezug auf die Vorstellung der Entwurfsplanung zur Ortsumfahrung Sulzbach durch das Staatliche Bauamt Aschaffenburg (STBAAB) sowie einer Stellungnahme der Fraktionen CSU, SPD und dem Großteil der FWG des Marktgemeinderates von Sulzbach am Main wollen wir, die Fraktion von B’90/Die Grünen, ÖDP sowie der Wählergruppe ZAG wie folgt Stellung zur Planung nehmen:
Sowohl die immensen Baukosten als auch die Dimension der notwendigen Bauwerke sind im Rahmen der Vorstellung der Entwurfsplanung durch das STBAAB auf Missbilligung gestoßen, und entsprechende Bedenken wurden den Planern gegenüber zum Ausdruck gebracht. Dies manifestiert sich auch dadurch, dass sich im sofortigen Anschluss an die Vorstellung eine weitere Bürgerinitiative in Sulzbach gegründet hat, die die vorgestellte Entwurfsplanung ablehnt.
Natürlich hat die fachkundige Präsentation und professionelle Moderation viele der Anwesenden mächtig beeindruckt – aber von Überzeugung kann hier unseres Erachtens nicht die Rede sein. Eine derartige Präsentation, wie sie das STBAAB für viel Geld hat erstellen lassen, mag beeindrucken, wirft aber gleichzeitig die Frage auf, ob hiermit nicht das eigentliche Problem dieser Umgehungsstraße verschleiert werden soll.
Doch geht es hier nicht um einen Wettbewerb der Präsentationen, sondern um die Planung einer neuen Ortsumgehung mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen auf Sulzbach am Main und die gesamte Region, sowie die Unsummen an Steuergeldern, die hierfür aufgewendet werden müssen. Genau vor diesem Hintergrund gilt es, die Vor- und Nachteile gewissenhaft abzuwägen.
Die jetzt vorgestellte Planung der Verlegung der St2309 ins Mainvorland
von Sulzbach mit ihren massiven Eingriffen in Natur-, Hochwasser- und
Trinkwasserschutzgebiete als überzeugend zu bezeichnen, ist für uns
nicht nachvollziehbar. Bereits im Jahre 2005, also nunmehr vor 18
Jahren, hat das STBAAB bei vergleichbarer Trassenführung bereits von
unüberwindlichen Problemen gesprochen. Sollten solche Aussagen in Zeiten
des fortschreitenden Klimawandels und geforderter Mobilitätswende nicht
umso mehr gelten? Wir sagen: Natürlich!
Entgegen der Meinung von CSU, SPD und der Mehrheit der FWG wird die gesamte Linienführung mit all ihren Anbindungen (Nord, Bahnhof und Süd) den drängenden Fragen unserer Zeit nicht gerecht.
So ist im Norden jeglicher zweigleisige Ausbau der Maintal-Bahn ausgeschlossen. Im Stadtrat von Aschaffenburg spricht man gar von einem „Bahnverhinderungsprojekt“.
An der Anbindung am Bahnhof plant man eine Mega-Rampe, bei der schon ein
Mensch, der gut zu Fuß ist, mehrere Minuten zum Erreichen der anderen
Seite benötigt. Die Unterführung selbst befindet sich im
Überschwemmungsbereich und ist somit in Zeiten von Hochwasser nicht
passierbar.
Die Anbindung Süd zwingt jede Bürgerin/jeden Bürger aus Sulzbach und dem
östlichen Einzugsgebiet, einen untergeordneten Kreuzungsbereich zu
benutzen, um auf die Ortsumfahrung zu kommen. Rückstaus und
Ausweichverkehre durch den Ort werden die Folge sein. Dass nach
Fertigstellung der OU auf Grund von Anziehungseffekten erheblich mehr
Fahrzeuge die rechte Mainseite entlang der Wohnbebauung nutzen werden
als jetzt, und zudem jetzt doch deutlich weniger Verkehr aus dem Ort
herausgenommen wird, als ursprünglich vom STBAAB angegeben, trägt mit
Sicherheit nicht zur Akzeptanz des Bauprojektes bei.
Ist es Sinn einer Ortsumfahrung, die Straße um ein paar Meter zu verlagern, dafür aber in Summe 30% mehr Verkehr anzuziehen? Wir sagen: Nein!
Die CSU, SPD und der Mehrheit der FWG Fraktion gehen auf die Entwicklung unseres Innerortes ein. Wenn die Anschlüsse zur Umgehungsstraße nicht funktionstüchtig sind (was zu erwarten ist), lange Rückstaus und damit Ausweichverkehr durch den Ort entsteht, wird es mit den Plänen für die Jahn und Spessartstraße, die Grüne Lunge und den Herigoyen-Platz nicht weit her sein. Eine Ortsumfahrung – wie das Amt sie zuletzt vorgestellt hat – wird im Bereich der MIL 31 und MIL 11 keine Entlastung bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass das STBAAB mit der Verkehrsuntersuchung aus 2019 viel Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der vom Amt vorgestellten Prognosen verspielt hat.
Wollen wir - vor dem Hintergrund der gebotenen und unabdingbar
notwendigen Änderung unseres Mobilitätsverhaltens und den immensen
Herausforderungen im Bezug auf Klimaneutralität und Biodiversität - die
Verlegung der St 2309 in das Mainvorland weiterverfolgen und hierfür
über 60 Millionen (+ Preissteigerung & weitere Unwägbarkeiten) an
Steuergeldern aufwenden? Wir sagen erneut: Nein!
Die vorgestellte Trasse verfehlt Ihren Planungszweck und darf nicht gebaut werden.
Unsere Stellungnahme - welche selbstverständlich nicht als Vorgriff der noch einzureichenden Bewertung unserer Gemeinde, dem Markt Sulzbach am Main, zu verstehen ist - bitten wir zur Bewertung der Akzeptanz in der Bevölkerung, bei einer Fortschreibung des 7. Ausbauplans für Staatsstraßen in Bayern, inhaltlich zur Kenntnis zu nehmen.
Alexander Hess, Andrea Heidel, Marco Schneider, Lukas Almritter
für die Fraktion B’90/Die Grünen/ÖDP/ZAG